brutality seaofignorance cover200pxWenn Death-Metal Bands, welche vor gut 20 Jahren ihre Glanzzeit hatten, sich reformieren, darf man schon mal eine Augenbraue heben. Werden sie mit fortgeschrittenem Alter überhaupt an die Härte und technischen Fähigkeiten von damals anknüpfen können? Brutalen Death-Metal zu spielen verlangt schon einiges an Kondition von einem Musiker ab. Dazu sollte man auch eine gehörige Portion Wut in sich tragen, um überhaupt authentisch zu wirken. Nur zu oft wurde die Musik „softer" oder die Bands wandten sich zu anderen Genres hin. Nicht so BRUTALITY.

Es ist eigentlich kaum vorstellbar, dass man unter dem Namen BRUTALITY plötzlich Heavy Rock mit cleanem Gesang spielt.
Als ich die Ankündigung der Band auf ihrer Seite bei (natürlich) Facebook las, ein neues komplettes Album zu veröffentlichen, war ich hochinteressiert. Das Problem dabei war, ich wollte nicht wie bei MORBID ANGELs Reunion mit David Vincent enttäuscht werden. Die Wandlung von GOREFEST zu einer Rock'n Roll Kapelle steckte mir auch noch in den Knochen. Alleine CANNIBAL CORPSE halten das Level hoch, wogegen DECIDE in der Belanglosigkeit versinken.
Die nach wie vor in Tampa/Florida beheimatete Truppe veröffentlichte 2013 die Single „Ruins Of Humans" und konnte meine Zweifel sofort ausräumen. Nahtlos knüpfte man an Werke wie „Screams Of Anguish" und „When The Sky Turns Black" an. Das letzte offizielle Album „In Mourning", im bewährten BRUTALITY Sound eingespielt, sollte für lange Jahre den Schlussstein für eine erfolgreiche Death-Metal Karriere setzen.

Erfüllt von der Wut über die derzeitige Lage auf der Welt, ging es dann Ende 2014, Anfang 2015 an die Aufnahmen der Songs zu Album „Sea Of Ignorance", welches von der Band vorab als „Self Titeled" benannt wurde. Ende November kündigte BRUTALITY die Veröffentlichung für Ende Januar 2016 an – für mich Grund genug ein Exemplar zur Rezension anzufordern. Da ich durch den zuvor veröffentlichten Titelsong schon Blut geleckt hatte, konnte ich es kaum erwarten das komplette Album zu hören, das mir vom Europavertrieb freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Ich wurde nicht enttäuscht!
Von der ersten Minute an fühlt man sich hier als Fan Zuhause. Es ist wirklich bemerkenswert wie BRUTALITY im Rahmen ihres Konzepts weitere interessante Songs aus dem Ärmel schütteln. Die gelungene Kombination aus Härte und Melodie macht jedes Lied des Albums zu einem Hörgenuss. Wer hier nicht sofort anerkennend mit der Zunge schnalzt sollte mal überprüfen, ob er nicht schon tot ist. In jedem Song steckt so viel Wut und so viel Spielfreude und Leidenschaft, dass es ein Genuss ist. Sei es „48 to 52" oder „Babarically Beheaded", hier stimmen einfach alle Zutaten. Als Sahnehäubchen gibt es noch einen behutsam gecoverten Song obendrauf: „Shore In Flames" von BATHORY im Stil von BRUTALITY – wenn das mal nicht fantastisch ist!

Es fehlt nicht an anspruchsvollen und mitreißenden Riffs. Bei aller Schnelligkeit und Brutalität sind es die allgegenwärtigen Melodiebögen, die einen in den Bann ziehen.
Soundmäßig ist man bei dem Album keine Kompromisse und Experimente eingegangen. „Sea OF Ignorance" klingt wie eine typische Morrisound Studio-Produktion, welche man auf zahlreichen Veröffentlichungen im Death-Metal-Bereich hören kann, jedoch moderner und saftiger.
Der Bass von Jeff knarzt gut vernehmlich aus den Lautsprechern. Die Art Bass zu spielen und auch aufzunehmen ist schon eine Seltenheit geworden. Alleine diese Auffälligkeit verhilft der Musik von BRUTALITY sich im Ohr festzusetzen. Sänger Scott Reigels gnadenloses Organ hat nichts von seiner Durchschlagskraft verloren. Unterstützt von Ur-Gitarrist Jay und Neuzugang Ruston Grosse am Schlagzeug, haben BRUTALITY das wohl beste Album ihrer Karriere vorgelegt.

Da ich ja nicht drauf gewartet habe, das BRUTALITY wieder ein neues Album veröffentlichen, war meine Überraschung und Freude über „Sea Of Ignorance" umso größer. Das Album sei jedem Fan wärmstens empfohlen, denn es ist ein sehr eindrucksvolles „Comeback" – wenn man das so bezeichnen kann. So hoffe ich doch sehr auf ein paar Liveshows im laufenden Jahr und weitere großartige Alben, auch wenn diese vielleicht erst in 10 Jahren erscheinen. In der See der Ignoranz geht diese Album jedenfalls so schnell nicht unter! (Andreas)

Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 39:41 min
Label: Ceremonial Records
Veröffentlichungstermin: 22.01.2016

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